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Lebensmittel-Großhandel in Nürtingen: 522-kWh-Gewerbespeicher für Marziale Coolinaria

Vom Stromabnehmer zur Energiezentrale: Für die Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen haben wir die vorhandene Photovoltaik um einen 522-kWh-Gewerbespeicher ergänzt. Von März bis Juli 2026 sank der Netzbezug gegenüber 2024 um 89 % – gemessen, nicht simuliert.

Luftaufnahme der Hallen der Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen mit Photovoltaik auf den Dachflächen – Referenz 522-kWh-Gewerbespeicher von HUMMEL energize

522 kWh

Speicherkapazität, 250 kW Leistung

−89 %

Netzbezug März–Juli 2026 ggü. 2024, gemessen

≈ 88 %

Autarkiegrad im Frühjahr 2026, gemessen

≈ 150 kWp

Photovoltaik am Standort

81,5 %

Eigenverbrauchsanteil Feb.–Juli

250 kW

Notstromleistung für das Gebäude

Gemessene Betriebsdaten 2026 – keine Simulation

Ausgangslage: Kühlung rund um die Uhr, teure Lastspitzen

Die Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen ist ein Feinkost- und Lebensmittel-Großhandel. Die Ware wird in Italien beschafft und produziert, am Standort betreibt das Unternehmen ein gekühltes Lager mit Umschlag. Die Kälteanlagen laufen rund um die Uhr – im Lebensmittelhandel entfällt rund die Hälfte des Stromverbrauchs auf die Kältetechnik (EHI Retail Institute, 2024).

2024 lag der Jahresverbrauch bei rund 181.000 kWh. Die Lastspitzen entstehen vor allem durch die Kälteanlagen, und sie verlagern sich in die Nacht: In der Hitzeperiode mit bis zu 38 °C zeigen die Speicher-Auswertungen nächtliche Spitzen von über 130 kW. Solche Lastspitzen – die höchste Leistung, die ein Betrieb kurzzeitig aus dem Netz zieht – bestimmen den Leistungspreis im Netzentgelt und damit einen großen Teil der Stromkosten.

Auf den Dächern arbeiteten bereits rund 125 kWp Photovoltaik, darunter eine Anlage von 2014. Ohne Speicher ließ sich dieser Strom aber nur bei Sonnenschein nutzen: Der Mittagsüberschuss floss für wenige Cent ins Netz, abends und nachts wurde teuer zugekauft. Dazu kommt ein wachsender Strombedarf durch den elektrifizierten Kühl-Fuhrpark.

Die Lösung – aus einer Hand

Wie bei jedem unserer Projekte standen ein Projektbericht auf Basis des gemessenen Lastgangs und der Vor-Ort-Termin am Anfang – erst auf dieser Grundlage folgte das verbindliche Angebot. Das Ergebnis ist keine Einzelkomponente, sondern ein integriertes Energiesystem, das Erzeugung, Verbrauch und Netzanschluss aufeinander abstimmt.

1 Stromspeicher 522 kWh / 250 kW

Zwei Speichereinheiten von AlphaESS mit kobaltfreien LFP-Zellen (Lithium-Eisenphosphat) und Flüssigkeitskühlung. Seit 16. Februar 2026 in Betrieb.

2 PV-Zubau rund 24 kWp

52 Module von JA Solar an einem 20-kW-Wechselrichter – sie ergänzen die rund 125 kWp Bestand auf rund 150 kWp.

3 Ladepunkte mit Lastmanagement

Eichrechtskonforme Ladepunkte – das heißt, jede geladene Kilowattstunde wird abrechnungssicher gemessen – mit Lastmanagement. Sie laden vorrangig aus Solarstrom.

4 Mess- und Netztechnik

Übergabeschrank nach den Technischen Anschlussbedingungen der Stadtwerke Nürtingen, Erzeugungsmessung und Monitoring aller Energieflüsse.

So arbeitet das System

Der Speicher arbeitet im Multi-Use-Prinzip: Er übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig und hält dabei eine feste Reserve für den Notstrom bereit.

1 Eigenverbrauch

Tagsüber deckt der Solarstrom den Betrieb direkt. Überschüsse laden den Speicher, statt ins Netz zu fließen.

2 Verschieben

Abends und nachts versorgt der Speicher den Betrieb – eigener Solarstrom ersetzt teuren Netzstrom.

3 Peak Shaving

Der Speicher fängt Lastspitzen ab, bevor sie den Leistungswert am Netzanschluss nach oben treiben. Peak Shaving heißt wörtlich „Spitzen kappen“.

4 Solarstrom laden

Die Ladepunkte beziehen ihre Energie vorrangig aus PV und Speicher – ohne neue Lastspitzen zu erzeugen.

Praxis-Einblick: Kühllast in der Nacht

Der Großhandel verlegt einen großen Teil seiner Kühlleistung bewusst in die Nachtstunden – damit die Mitarbeitenden tagsüber nicht unnötig in der Kälte arbeiten. Genau dann übernimmt der Speicher die Versorgung, klar ablesbar in seinen Entladekurven:

  • Tagsüber – die Sonne lädt: Die PV deckt den laufenden Betrieb, der Überschuss füllt den 522-kWh-Speicher.
  • Abends – Umschalten: Der Speicher übernimmt die Versorgung, der Netzbezug fällt gegen null.
  • Nachts – Kühlen aus Sonne: Die in die Nacht verlegte Kühllast läuft aus gespeichertem Solarstrom vom Mittag.

Die Umsetzung

Nach der Begehung im August 2025 folgten von Oktober bis Dezember 2025 Montage und Netztechnik, der Betrieb im Kühllager lief dabei weiter. Am 16. Februar 2026 ging der Speicher in Betrieb, seit März 2026 läuft der Messbetrieb mit laufender Optimierung.

Das Projekt im Video

Simon Marziale-Brenner und Alexander Hummel zeigen die Anlage vor Ort – Speicher, Dach und Betrieb in wenigen Minuten.

Gemessene Ergebnisse

Alle Werte stammen aus den realen Betriebsdaten des Energiemanagements seit Inbetriebnahme. Feb.* ist ein Teilmonat, weil der Speicher erst am 16. Februar 2026 ans Netz ging. Die Vergleichswerte für 2024 stammen aus den Zählerdaten des Netzbetreibers.

Netzbezug März–Juli 2026: −89 % gegenüber 2024

Balkendiagramm Netzbezug pro Monat März bis Juli: 2024 ohne Speicher 14,1 bis 16,9 MWh, 2026 mit 522-kWh-Speicher 1,1 bis 2,0 MWh
Netzbezug pro Monat, 2024 und 2026. Gemessen.

Von März bis Juli bezog der Standort 2024 – mit Bestands-PV, aber ohne Speicher – 77,9 MWh aus dem Netz. 2026 waren es im selben Zeitraum nur noch 7,9 MWh.

Autarkiegrad: ≈ 88 % im Frühjahr 2026

Balkendiagramm monatlicher Autarkiegrad 2026 am Standort der Marziale Coolinaria GmbH, gemessen
Autarkiegrad pro Monat 2026. Gemessen.

Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des Stromverbrauchs aus der eigenen Anlage stammt: im Frühjahr 2026 ≈ 88 % (gemessen).

Woher kommt der Strom?

Gestapeltes Balkendiagramm März bis Juli 2026: Anteile von PV-Direktverbrauch (34 bis 47 %), Batteriespeicher (42 bis 53 %) und Netzbezug (6 bis 13 %) an der Versorgung
Anteile an der Versorgung 2026. Gemessen.

Rund die Hälfte der Versorgung kommt aus dem Speicher, gut ein Drittel bis knapp die Hälfte direkt von der PV. Aus dem Netz stammen nur noch 6 bis 13 %.

Strom aus dem Speicher

Balkendiagramm Energie aus dem 522-kWh-Speicher an den Betrieb pro Monat 2026: Februar 0,8 MWh (Teilmonat), März 7,8, April 7,0, Mai 6,5, Juni 8,5, Juli 9,0 MWh
Aus dem Speicher pro Monat 2026. Gemessen.

Von Februar bis Juli hat der Speicher 39,5 MWh an den Betrieb geliefert – Solarstrom vom Mittag, der sonst abends und nachts teuer zugekauft worden wäre.

Jahres-Energiebilanz 2026

Die Jahresbilanz zeigt die gemessenen Monate Februar bis Juli und ergänzt die übrigen Monate um eine Hochrechnung aus Messwerten, Vorjahresdaten und der saisonalen PV-Verteilung. Im Winter sinkt die Solarerzeugung, der Netzbezug steigt – über das ganze Jahr ergibt sich rechnerisch rund 129 MWh weniger Netzbezug als 2024.

Balkendiagramm Jahres-Energiebilanz 2026 je Monat mit PV-Erzeugung, Netzbezug und Netzeinspeisung; Februar bis Juli gemessen, übrige Monate hochgerechnet
Energiebilanz 2026 in MWh pro Monat. Volle Balken: gemessen (Feb.–Juli). Schraffiert: Hochrechnung (Jan., Aug.–Dez.).

Die Ergebnisse im Überblick

KennzahlWertStatus und Zeitraum
Speicherkapazität / Leistung522 kWh / 250 kWinstalliert
Photovoltaik am Standortrund 150 kWpinstalliert, davon rund 24 kWp Zubau
PV-Erzeugung93,9 MWhgemessen, Feb.–Juli 2026
Netzbezug7,9 MWh statt 77,9 MWh (−89 %)März–Juli 2026 gegenüber 2024 (gemessen)
Autarkiegrad≈ 88 %gemessen, Frühjahr 2026
Eigenverbrauchsanteil81,5 %gemessen, Feb.–Juli 2026
Aus dem Speicher geliefert39,5 MWhgemessen, Feb.–Juli 2026
Weniger Netzbezug im Jahrrund 129 MWhHochrechnung 2026 ggü. 2024

Der Eigenverbrauchsanteil zeigt, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms im Betrieb selbst genutzt wird.

Wirtschaftlichkeit: rund 30.000 € weniger Stromkosten pro Jahr (Hochrechnung)

Allein von März bis Juli 2026 hat der Standort rund 17.600 € Stromkosten eingespart – gemessen und mit dem tatsächlichen Bezugspreis bewertet. Über das ganze Jahr ergibt sich – als konservative Hochrechnung aus den Messwerten – eine Einsparung von rund 30.000 €. Der Grund ist einfach: Der Speicher macht die bereits vorhandene Solarenergie endlich rund um die Uhr nutzbar.

Versorgungssicherheit inklusive

250 kW

Notstromleistung – das ganze Gebäude

≤ 20 ms

Umschaltzeit über den STS-Schrank

20 %

Speicherkapazität als feste Reserve

Fällt das Netz aus, trennt der STS-Schrank – ein statischer Transferschalter – den Standort in unter 20 Millisekunden vom Netz, und der Speicher übernimmt. Er baut ein eigenes Inselnetz auf, Kühlanlagen, IT und Tore laufen unterbrechungsfrei weiter. Kehrt das Netz zurück, synchronisiert sich das System automatisch, ganz ohne Eingriff des Betreibers. Auch kurze Spannungseinbrüche werden überbrückt, ohne dass Kälteanlagen oder Steuerungen neu anlaufen müssen. Im laufenden Betrieb bleiben dauerhaft 20 % der Kapazität (rund 104 kWh) als Reserve reserviert. Für einen Lebensmittel-Großhandel heißt das: kein Warenverlust und keine Betriebsunterbrechung bei einem Netzausfall.

Stimmen aus dem Projekt

Unsere Kühlung läuft vor allem nachts – früher war das reiner Netzstrom. Heute kommt er aus der Sonne vom Mittag. Wir sind deutlich unabhängiger geworden, ohne im Betrieb etwas umstellen zu müssen.

Simon Marziale-Brenner, Marziale Coolinaria GmbH, Nürtingen

Das Projekt zeigt, was ein richtig dimensionierter Speicher leisten kann: Die vorhandene Photovoltaik wird endlich rund um die Uhr genutzt, und die teuren Lastspitzen sind gekappt. Genau so stellen wir uns moderne Energieversorgung im Mittelstand vor.

Alexander Hummel, HUMMEL energize e.K., Frickenhausen

Für wen sich ein Gewerbespeicher lohnt

Das Projekt lässt sich auf viele Betriebe mit ähnlichem Profil übertragen – vor allem, wenn diese Punkte zutreffen:

  • hoher, gleichmäßiger Stromverbrauch oder ausgeprägte Lastspitzen,
  • vorhandene oder geplante PV-Flächen, deren Überschuss bisher ins Netz fließt,
  • Bedarf an Versorgungssicherheit (Notstrom) und Ladeinfrastruktur,
  • der Wunsch, planbar unabhängiger von Strompreis und Netz zu werden.

Typische Branchen sind Kühlhäuser und Lebensmittellogistik, Metzgereien und Bäckereien, Großküchen und Caterer sowie die Lebensmittelproduktion.

Ihr Betrieb als nächstes Projekt

Sie führen einen Betrieb mit hohem Strombedarf oder teuren Lastspitzen? Dann starten wir wie in Nürtingen: mit einem Projektbericht, der Ihren Lastgang und Ihre Dachflächen durchrechnet, und einem Termin bei Ihnen vor Ort. Erst danach erhalten Sie ein verbindliches Angebot. ENERGIE NEU DENKEN.

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