
Referenzprojekt · Gewerbespeicher
Vom Stromabnehmer zur Energiezentrale
522-kWh-Speicher, Peak Shaving und E-Mobilität bei der Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen
Das Projekt
Ein Feinkost-Großhandel mit rund 181.000 kWh Jahresverbrauch nutzt seinen Solarstrom heute rund um die Uhr – statt ihn ungenutzt ins Netz zu schicken.

Die Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen ist ein Feinkost- und Lebensmittel-Großhandel: Die Ware wird in Italien beschafft bzw. produziert, am Standort betreibt das Unternehmen ein gekühltes Lager mit Umschlag. Die Kälteanlagen laufen rund um die Uhr und erzeugen einen hohen Dauerbedarf mit ausgeprägten Lastspitzen.
Am Standort waren bereits rund 125 kWp Photovoltaik installiert. HUMMEL energize hat sie um eine kompakte PV-Ergänzung und vor allem einen 522-kWh-Großspeicher erweitert – so wird die gesamte Erzeugung von rund 150 kWp jederzeit nutzbar. Alle folgenden Zahlen stammen aus realen Betriebsdaten seit Inbetriebnahme im Februar 2026, keine Simulation.
Alexander Hummel (HUMMEL energize) bei der Anlagenkontrolle auf dem Hallendach in Nürtingen.
522 kWh
Speicher (250 kW Leistung)
≈ 150 kWp
Gesamt-PV am Standort
≈ 90 %
Autarkie Ø Mär–Jul 2026
− 90 %
Netzbezug ggü. Vorjahr
≈ 81 %
Eigenverbrauchsquote (gemessen)
≈ 6 Jahre
Amortisation (Hochrechnung)
Warum Lebensmittel-Großhandel
Rund die Hälfte des Stromverbrauchs entfällt hier allein auf die Kältetechnik – der größte Energiekostenblock. Dieser ganzjährige Kühlbedarf macht solche Betriebe zu idealen Kandidaten für Photovoltaik plus Speicher.
~ 50 %
des Stromverbrauchs = Kältetechnik
40–60 %
der Energiekosten = Kühlung
289 kWh/m²
Strom je m² Verkaufsfläche (Food-Handel 2024)
Branchenwerte: EHI Retail Institute / handelsdaten.de und g-wie-gastro (2024). Wirtschaftliche Kennzahlen aus gemessenen Betriebsdaten und realem Strombezugspreis abgeleitet; Investitionsangaben auf Anfrage.
Das Projekt im Video
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Simon Marziale-Brenner und Alexander Hummel zeigen die Anlage vor Ort – Speicher, Dach und Betrieb in wenigen Minuten.
Ausgangslage & Lösung
Hoher Verbrauch, teure Spitzen
Der Jahresverbrauch 2024 lag bei 181.225 kWh mit einer abgerechneten Höchstlast von 96,85 kW. Die Spitzen entstehen vor allem durch die Kälteanlagen – und sie verlagern sich in die Nacht: In der Hitzeperiode (bis 38 °C) zeigen die Speicher-Auswertungen nächtliche Lastspitzen von über 130 kW.
Aus den Originalrechnungen der Stadtwerke Nürtingen ergibt sich ein marginaler Bezugspreis von rund 25,2 ct/kWh netto zuzüglich 17,48 €/kW Leistungspreis pro Jahr. Jede eigene Kilowattstunde und jede vermiedene Lastspitze senkt damit unmittelbar die Kosten.
Simon Marziale-Brenner im gekühlten Lager – die Kälteanlagen bestimmen den Strombedarf rund um die Uhr.

Die vorhandenen rund 125 kWp PV – darunter eine Anlage von 2014 – ließen sich ohne Speicher nur bei Sonnenschein nutzen: Der Mittagsüberschuss floss für wenige Cent ins Netz, abends und nachts wurde teuer zugekauft. Genau dieses Potenzial hebt das neue System.
Die Herausforderung
❄
Ganzjährige Kühllast
Kühllager & -logistik laufen rund um die Uhr – hoher Dauerbedarf bei steigenden Preisen.
📈
Teure Lastspitzen
Spitzen bis über 130 kW treiben den Leistungspreis im Netzentgelt.
☀
Ungenutzte PV
Bestandsanlagen speisten ihren Mittagsüberschuss ungenutzt ins Netz.
🔌
Wachsende E-Mobilität
Zusätzlicher Strombedarf durch den elektrifizierten Kühl-Fuhrpark.
Die Lösung: ein integriertes Energiesystem

HUMMEL energize hat den Standort nicht um eine Einzelkomponente ergänzt, sondern zu einem integrierten System ausgebaut. Kernstück ist der Großspeicher, der die gesamte Erzeugung bündelt, zeitlich verschiebt und Lastspitzen kappt – seit Februar 2026 im Betrieb.
Der PV-Zubau von 24 kWp ergänzt die Bestandsanlagen auf rund 150 kWp. Zusammen mit Ladeinfrastruktur und neuer Messtechnik entsteht daraus ein System, das Erzeugung, Verbrauch und Netzanschluss aufeinander abstimmt.
Der PV-Zubau ergänzt die Bestandsanlagen auf rund 150 kWp.
1Stromspeicher 522 kWh / 250 kW
2 × AlphaESS Storion-LC TB125, kobaltfreie LFP-Zellen, Flüssigkeitskühlung, USV-Notstrom über STS-Schrank (≤ 20 ms).
2PV-Zubau 24 kWp
52 Module JA Solar 460 Wp am 20-kW-Wechselrichter – ergänzt die ~125 kWp Bestand zu ~150 kWp.
32 × 22 kW Ladeinfrastruktur
Eichrechtskonforme Wallboxen mit Lastmanagement – laden vorrangig aus Solarstrom.
4Mess- & Netztechnik
Übergabeschrank nach TAB der Stadtwerke Nürtingen, Erzeugungsmessung, Monitoring (Solar-Log).
Funktionsprinzip
So arbeitet das System
Der Speicher arbeitet im Multi-Use-Prinzip: Er bedient mehrere Nutzen gleichzeitig – und hält Reserven für künftige Erlösquellen bereit.
1
Eigenverbrauch
Tagsüber deckt der Solarstrom den Betrieb direkt. Überschüsse laden den Speicher, statt ins Netz zu fließen.
2
Verschieben
Abends und nachts versorgt der Speicher den Betrieb – teurer Netzstrom wird durch eigenen Solarstrom ersetzt.
3
Peak Shaving
Lastspitzen fängt der Speicher ab, bevor sie den Leistungswert am Netzanschluss nach oben treiben.
4
Sonne tanken
Die Ladepunkte beziehen Energie vorrangig aus PV und Speicher – ohne neue Lastspitzen zu erzeugen.
Praxis-Einblick · Kühllast in der Nacht
Der Großhandel verlagert einen großen Teil seiner Kühlleistung bewusst in die Nachtstunden – damit die Mitarbeitenden tagsüber nicht unnötig in der Kälte arbeiten müssen. In der Hitze (bis 38 °C) klettern die nächtlichen Lastspitzen auf über 130 kW – genau dann übernimmt der Speicher die Versorgung, klar ablesbar in seinen Entladekurven.
Ein Tag im Betrieb
- Tagsüber – die Sonne lädt: Die PV deckt den laufenden Betrieb, der Überschuss füllt den 522-kWh-Speicher.
- Abends – Umschalten: Der Speicher übernimmt die Versorgung, der Netzbezug fällt gegen null.
- Nachts – Kühlen aus Sonne: Die in die Nacht verlegte Kühllast läuft aus gespeichertem Solarstrom vom Mittag.
Simon Marziale-Brenner (Marziale Coolinaria) und Alexander Hummel (HUMMEL energize) am Speichersystem in Nürtingen.

Ausblick · noch mehr aus dem Speicher
Über Eigenverbrauch und Peak Shaving hinaus eröffnet der Speicher weitere Erlösquellen: zeitvariable Netzentgelte (§ 14a EnWG), Teilnahme an Direktvermarktung und Regelleistung sowie erweitertes Lastmanagement – die Anlage bleibt damit zukunftssicher.
Betriebsdaten
Gemessene Ergebnisse
Die Auswertungen beruhen auf den realen Betriebsdaten des Energiemanagements (Februar bis Juli 2026); die Jahresbilanz ergänzt diese um eine Hochrechnung der übrigen Monate. Schon im ersten vollen Monat liegt die Autarkie über 85 % – im Mittel der Vollmonate März bis Juli rund 90 %, im Juni sogar 94 %.

Gemessener Autarkiegrad

Woher kommt der Strom?

Besonders aussagekräftig ist die Rolle des Speichers: Rund die Hälfte der Versorgung stammt aus dem Speicher – Februar bis Juli ein Durchsatz von 39,5 MWh. Solarstrom, der sonst teuer zugekauft worden wäre.
Aus der Luft wird das Zusammenspiel sichtbar: Auf den Hallendächern arbeiten rund 150 kWp Photovoltaik, im Gebäude darunter puffert der Großspeicher die Erzeugung in die Abend- und Nachtstunden.
Der Standort aus der Luft: rund 150 kWp Photovoltaik auf den Hallendächern in Nürtingen.

Wirtschaftlichkeit
Prognose trifft Realität
Der stärkste Beleg ist der Vorjahresvergleich: 2024 – mit laufender Bestands-PV, aber ohne Speicher – bezog der Standort von März bis Juli noch 77,9 MWh aus dem Netz. 2026 waren es im selben Zeitraum nur noch 7,9 MWh – ein Rückgang um 90 %.

32.500 €
Allein von März bis Juli 2026 spart der Standort rund 17.600 € Stromkosten. Über das Jahr ergibt sich – konservativ hochgerechnet – eine Reduktion von rund 129 MWh bzw. etwa 32.500 € pro Jahr.
Versorgungssicherheit inklusive
250 kW
Notstromleistung – 100 % des Gebäudes
≤ 20 ms
Umschaltzeit über STS-Schrank
20 %
Speicherkapazität dauerhaft als Reserve
Not- & Ersatzstrom für die Kühlkette
Fällt das Netz aus, trennt der STS-Schrank den Standort in unter 20 Millisekunden und der Speicher übernimmt – Kühlanlagen, IT und Tore laufen unterbrechungsfrei weiter. Der Speicher baut dabei ein eigenes Inselnetz auf und synchronisiert sich bei Netzrückkehr automatisch zurück, ganz ohne Eingriff des Betreibers. Auch kurze Spannungseinbrüche und Netzwischer werden überbrückt, ohne dass Kälteanlagen oder Steuerungen neu anlaufen müssen. Mit 250 kW deckt die Notstromleistung das gesamte Gebäude; im laufenden Mischbetrieb bleiben dauerhaft 20 % der Kapazität (≈ 104 kWh) reserviert. Für einen Lebensmittel-Großhandel heißt das: kein Warenverlust, keine Betriebsunterbrechung.
Fazit & Ausblick
Was das für Ihren Betrieb bedeutet
Dieses Referenzprojekt zeigt, was ein richtig dimensioniertes Speichersystem in einem energieintensiven Lebensmittel-Großhandel leistet: Aus einem Standort mit hohem Netzbezug und teuren Lastspitzen wurde eine zu rund 90 % eigenversorgte Energiezentrale.
Die gemessenen Ergebnisse übertreffen die ursprüngliche Wirtschaftlichkeitsprognose deutlich – und das vor allem, weil der Speicher die bereits vorhandene Solarenergie endlich rund um die Uhr nutzbar macht.
„Unsere Kühlung läuft vor allem nachts – früher war das reiner Netzstrom. Heute kommt er aus der Sonne vom Mittag. Wir sind deutlich unabhängiger geworden, ohne im Betrieb etwas umstellen zu müssen.“
— Simon Marziale-Brenner, Marziale Coolinaria GmbH, Nürtingen
„Das Projekt zeigt, was ein richtig dimensionierter Speicher leisten kann: Die vorhandene Photovoltaik wird endlich rund um die Uhr genutzt – und die teuren Lastspitzen sind gekappt. Genau so stellen wir uns moderne Energieversorgung im Mittelstand vor.“
— Alexander Hummel, HUMMEL energize e.K., Frickenhausen
Das spricht für Gewerbe & Industrie mit ähnlichem Profil
- hoher, gleichmäßiger Stromverbrauch und/oder ausgeprägte Lastspitzen,
- vorhandene oder geplante PV-Flächen, deren Überschuss bisher ungenutzt bleibt,
- Bedarf an Versorgungssicherheit (Notstrom) und Ladeinfrastruktur,
- der Wunsch, planbar unabhängig von Strompreis und Netz zu werden.
Übertragbar auf: Kühlhäuser & Lebensmittellogistik, Metzgereien & Bäckereien, Großküchen & Caterer, Lebensmittelproduktion.
Vom ersten Termin zum Messbetrieb
Aug 2025
Begehung & Konzept
Okt–Dez 2025
Montage & Netztechnik
Feb 2026
Inbetriebnahme
ab Mär 2026
Messbetrieb & Optimierung

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