Startseite » PowerBANK Blog » OCPP einfach erklärt: Warum das Protokoll über Wallbox, Ladesäule und Backend entscheidet

OCPP – das Open Charge Point Protocol – ist die gemeinsame Sprache zwischen Ladestation und Software. Ob Sie Ihre Ladepunkte später überwachen, abrechnen, per Lastmanagement steuern oder den Betreiber wechseln können, hängt davon ab, ob Wallbox und Backend OCPP sprechen.

Als regionaler Fachbetrieb aus Frickenhausen planen und installieren wir Ladeinfrastruktur für Unternehmen im Landkreis Esslingen und in der Region Stuttgart und betreiben sie mit unserer Marke energizeGO auch selbst. In Projekten sehen wir immer wieder, dass Ladestationen technisch einwandfrei laufen, sich aber nicht in eine Abrechnung oder ein Lastmanagement einbinden lassen – fast immer liegt es an der Kommunikation.

Kurz gefasst

  • OCPP verbindet Ladestation und Backend unabhängig vom Hersteller.
  • Der Standard ist offen und wird von der Open Charge Alliance gepflegt.
  • Weit verbreitet ist OCPP 1.6; aktuell sind OCPP 2.0.1 und 2.1, das seit Dezember 2025 auch als internationale Norm IEC 63584-210 veröffentlicht ist.
  • Für gewerbliche Ladepunkte gilt: nur OCPP-fähige Hardware mit frei einstellbarem Backend kaufen.

Was OCPP ist

Jede vernetzte Ladestation spricht mit einer zentralen Software, dem Backend – im Fachjargon auch CSMS (Charging Station Management System). Über diese Verbindung laufen alle wichtigen Nachrichten: Eine Ladekarte wird geprüft, ein Ladevorgang beginnt und endet, Zählerstände werden übertragen, Störungen gemeldet, Firmware-Updates eingespielt und Leistungsvorgaben für das Lastmanagement gesendet.

Damit Ladestationen verschiedener Hersteller mit beliebigen Backends zusammenarbeiten, braucht es eine gemeinsame Sprache. Das ist OCPP. Der Standard wird von der Open Charge Alliance, einem internationalen Zusammenschluss von Herstellern, Betreibern und Softwareanbietern, entwickelt und ist kostenlos verfügbar.

Warum OCPP für Unternehmen wichtig ist

  • Keine Abhängigkeit vom Hersteller: Sie können Ladestationen verschiedener Marken in einem System betreiben und später nachkaufen, was am besten passt.
  • Freie Wahl des Betreibers: Ist das Backend in der Ladestation frei einstellbar, lässt sich der Betreiber wechseln, ohne die Hardware zu tauschen.
  • Lastmanagement: Über OCPP gibt das Backend jeder Ladestation vor, wie viel Leistung sie gerade nutzen darf.
  • Abrechnung: Zählerstände und – bei eichrechtskonformen Geräten – signierte Messwerte gelangen über OCPP in die Abrechnung.

Die Versionen im Überblick

OCPP gibt es in mehreren Versionen, die nicht automatisch zueinander kompatibel sind. Ladestation und Backend müssen dieselbe Version unterstützen.

  • OCPP 1.6 (2015): im Bestand weit verbreitet, meist in der Variante 1.6J mit Datenübertragung im JSON-Format. Für Monitoring, Abrechnung und einfaches Lastmanagement ausreichend.
  • OCPP 2.0.1 (2020): bessere Sicherheitsfunktionen, ein detaillierteres Gerätemodell und Unterstützung für Plug & Charge nach ISO 15118 – das Fahrzeug weist sich beim Einstecken selbst aus, ohne Ladekarte.
  • OCPP 2.1 (Januar 2025): ergänzt bidirektionales Laden, die Steuerung dezentraler Erzeuger und die neue Fassung ISO 15118-20. Seit 9. Dezember 2025 ist OCPP 2.1 als internationale Norm IEC 63584-210 veröffentlicht.

1.6

im Bestand weit verbreitete Version

2.0.1

sinnvoller Standard für neue Projekte

2.1

seit Januar 2025, mit bidirektionalem Laden

Was die EU vorschreibt – und was nicht

Ein bestimmtes Protokoll zwischen Ladestation und Backend schreibt die europäische AFIR-Verordnung bisher nicht vor; OCPP ist der De-facto-Standard. Verbindlich wird dagegen ab 1. Januar 2027 die Norm EN ISO 15118-20 für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt: Sie gilt nach der Übersicht der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur für neu errichtete oder instand gesetzte Ladepunkte. Wer heute Hardware kauft, sollte deshalb auf beides achten – OCPP zum Backend und ISO 15118-20 zum Fahrzeug.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

  • Version im Datenblatt: mindestens OCPP 1.6J, für neue Projekte besser 2.0.1.
  • Zertifizierung: Die Open Charge Alliance zertifiziert Geräte; ein Zertifikat ist verlässlicher als die bloße Angabe „OCPP-fähig“.
  • Frei einstellbares Backend: Die Adresse des Backends muss sich ändern lassen, sonst ist die Ladestation an einen Anbieter gebunden.
  • Eichrecht: Soll nach Kilowattstunden abgerechnet werden, muss die Ladestation signierte Messwerte über OCPP übertragen können – mehr dazu im Ratgeber Eichrechtskonforme Wallbox und Ladesäule.
  • Lastmanagement: Klären Sie, ob die Leistung lokal vor Ort oder über das Backend gesteuert wird – beides geht, beeinflusst aber die Auswahl.

OCPP und Lastmanagement

Für das Lastmanagement kennt OCPP sogenannte Ladeprofile: Das Backend schickt jeder Ladestation eine Obergrenze für die Leistung, zeitlich gestaffelt oder sofort. Ein dynamisches Lastmanagement berechnet diese Obergrenzen laufend aus dem aktuellen Verbrauch des Gebäudes. Wo die Verbindung zum Backend ausfallen darf, ohne dass der Hausanschluss überlastet wird, ergänzen wir eine lokale Steuerung vor Ort. Wie das funktioniert, erklärt unser Ratgeber Lastmanagement für Wallbox und Ladesäulen.

Wichtig zur Einordnung

Die Angaben zu OCPP-Versionen, Normen und EU-Vorgaben geben den Stand vom 2. Oktober 2026 wieder. Welche Version ein Gerät tatsächlich unterstützt, entscheidet das Datenblatt des Herstellers und gegebenenfalls ein Firmware-Update. Diese Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung.

Unser Fazit

Die Wahl der Wallbox ist immer auch eine Wahl des Backends. Wer auf OCPP-fähige, zertifizierte Hardware mit frei einstellbarem Backend setzt, bleibt flexibel bei Betreiber, Abrechnung und Lastmanagement – auch wenn der Fuhrpark wächst. Welche Hardware zu Ihrem Abrechnungsmodell passt, halten wir im Projektbericht fest, prüfen beim Vor-Ort-Termin die Details und erstellen danach Ihr verbindliches Angebot. Den Betrieb übernehmen wir auf Wunsch mit energizeGO – aus einer Hand. ENERGIE NEU DENKEN.

Das könnte Sie auch interessieren

Lastmanagement für Wallbox und Ladesäulen · Lademanagement und Betrieb von Ladesäulen · Checkliste: Ladeinfrastruktur planen

Stand: 2. Oktober 2026. Quellen: Open Charge Alliance, OCPP 2.1 als IEC 63584-210:2025 veröffentlicht, Open Charge Alliance, AFIR und OCPP, Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur, Technische Anforderungen AFIR (30.03.2026), Verordnung (EU) 2023/1804 (AFIR). Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und keine Rechtsberatung.

Autor: Alexander Hummel

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner