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PV-Recycling: Was die neue Studie über Rohstoffe in alten Solarmodulen zeigt

PV-Recycling lohnt sich: Laut einer Fraunhofer-Studie für die DERA stecken in Deutschlands Solarmodulen Aluminium und Silber für rund 4,8 Milliarden Euro. Wir ordnen ein, was heute zurückgewonnen wird und was das für Ihre Anlage bedeutet.

Container auf einem Recyclinghof mit sortenrein getrennten Fraktionen: Aluminiumprofile, Kabel mit Kupfer und Metallschrott

PV-Recycling lohnt sich – das zeigt eine neue Studie des Fraunhofer-Centers für Silizium-Photovoltaik CSP im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). In den Solarmodulen, die bis Ende 2023 in Deutschland verbaut wurden, stecken rund 660.000 Tonnen Aluminium und 3.900 Tonnen Silber. Allein diese beiden Rohstoffe haben nach Berechnung der Studie einen Materialwert von etwa 4,8 Milliarden Euro. Heutige Recyclingverfahren gewinnen rund 85 % eines kristallinen Moduls stofflich zurück.

Als regionaler Fachbetrieb aus Frickenhausen bauen wir Photovoltaikanlagen im Landkreis Esslingen und in der Region Stuttgart – und wir bauen Altanlagen zurück, wenn ein Repowering ansteht. Deshalb interessiert uns nicht nur, was eine PV-Anlage erzeugt, sondern auch, was am Ende ihrer Lebensdauer mit ihr passiert. Wir ordnen ein, was die Studie zum PV-Recycling zeigt, wo ihre Grenzen liegen und was das für Ihre Anlage bedeutet.

Kurz gefasst

  • Bis Ende 2023 wurden in Deutschland rund 5,35 Millionen Tonnen PV-Module installiert. Darin stecken vor allem Glas, Aluminium, Silizium, Kupfer und Silber.
  • Für kristalline Module erreichen die Verfahren der zwei Anlagen, die in Deutschland im industriellen Maßstab recyceln, eine stoffliche Recyclingquote von rund 85 % und eine Verwertungsquote von über 95 %.
  • Das Silizium der Solarzellen wird bislang nicht wirtschaftlich zurückgewonnen – hier liegt das größte ungenutzte Potenzial.
  • Bis 2030 rechnet die Studie mit mehr als 600.000 Tonnen PV-Abfall. Die tatsächlich gesammelten Mengen sind zuletzt aber gesunken, weil Module länger laufen oder gebraucht exportiert werden.
  • Private Betreiber geben Altmodule in haushaltsüblichen Mengen kostenfrei am Wertstoffhof ab. Beim Rückbau oder Repowering nehmen wir die Altmodule zurück.

≈ 85 %

stoffliche Recyclingquote kristalliner Module in den Verfahren der zwei deutschen Großanlagen (Studie DERA/Fraunhofer CSP)

≈ 4,8 Mrd. €

Materialwert von Aluminium und Silber in den bis Ende 2023 verbauten Modulen (Berechnung der Studie, Preise Dezember 2025)

> 600.000 t

erwarteter PV-Abfall in Deutschland bis 2030 (Prognose der Studie, Modellannahmen)

Was steckt in einem Solarmodul?

Über 95 % der weltweit verkauften Module sind kristalline Siliziummodule – also Module, deren Solarzellen aus dünnen Scheiben aus Silizium bestehen. Sie prägen deshalb auch die künftigen Abfallmengen. Ein solches Modul besteht zum größten Teil aus Glas, dazu kommen der Aluminiumrahmen, die Siliziumzellen, Kupferleitungen, Kunststofffolien und sehr wenig Silber, das als feine Kontaktbahn auf den Zellen liegt. Hochgerechnet auf den deutschen Anlagenbestand ergibt das beachtliche Mengen – und damit den Grund, warum sich das Recycling von Solarmodulen lohnt:

MaterialMenge in den bis Ende 2023 verbauten ModulenRolle im Modul
Glasrund 3,85 Mio. TonnenFrontscheibe, größter Gewichtsanteil
Aluminiumrund 663.000 TonnenRahmen
Siliziumrund 208.000 TonnenSolarzellen
Kupferrund 53.500 TonnenZellverbinder und Kabel
Silberrund 3.900 TonnenKontaktbahnen auf den Zellen
Quelle: DERA Rohstoffinformationen 68 (Fraunhofer CSP), Hochrechnung auf Basis der installierten Leistung; Mengen gerundet

Besonders das Silber ist rohstoffwirtschaftlich bedeutsam: Die Photovoltaikindustrie hat 2023 rund 19,3 % der weltweiten Silberproduktion verbraucht. Jede Tonne, die aus Altmodulen zurückkommt, muss nicht neu gefördert werden. Genau hier setzt die Studie an: Sie zeigt, dass der Modulbestand in Deutschland ein Rohstofflager ist – vorausgesetzt, die Module werden fachgerecht gesammelt und recycelt.

PV-Recycling heute: zwei Anlagen, rund 85 % stofflich zurückgewonnen

In Deutschland recyceln derzeit zwei Anlagen kristalline Module im industriellen Maßstab. Sie trennen das Modul in seine Bestandteile: Glas, Aluminium und Kupfer werden sortenrein zurückgewonnen, das Silber wird in einer Raffination – einer chemisch-metallurgischen Reinigung – abgetrennt. Die Kunststofffolien werden energetisch genutzt, also verbrannt, um Energie zu gewinnen.

Damit erreichen die Verfahren laut Studie eine stoffliche Recyclingquote von rund 85 % und eine Verwertungsquote von über 95 %. Der Unterschied: Die Recyclingquote zählt nur das Material, das als Rohstoff zurückkommt. Die Verwertungsquote rechnet zusätzlich die energetische Nutzung mit ein. Zum Vergleich: Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das in Deutschland auch für PV-Module gilt, verlangt mindestens 85 % Verwertung und 80 % Vorbereitung zur Wiederverwendung oder Recycling. Die heutigen Verfahren liegen also über den gesetzlichen Mindestwerten.

Eine Lücke bleibt: Das Silizium macht nur rund 4 Gewichtsprozent eines Moduls aus und lässt sich bislang nicht wirtschaftlich zurückgewinnen. Ausgerechnet das Material, aus dem die Solarzellen bestehen, geht also noch verloren. Für Dünnschichtmodule, eine seltenere Bauart mit hauchdünnen Halbleiterschichten statt Siliziumscheiben, gibt es eigene Verfahren, mit denen sich etwa Tellur, Indium oder Gallium zurückgewinnen lassen.

Mehr Recyclingkapazität als Altmodule

Ein überraschender Befund der Studie: Beim PV-Recycling fehlt es derzeit nicht an Anlagen, sondern an Altmodulen. 2024 standen mehr als 50.000 Tonnen Recyclingkapazität für kristalline Module bereit, tatsächlich erstbehandelt – also in der ersten Stufe zerlegt – wurden aber nur rund 9.300 Tonnen. Für 2026 nennt die Studie eine Kapazität von rund 64.000 Tonnen, bis Ende 2027 sind 75.000 Tonnen geplant.

Gleichzeitig sind die gesammelten Mengen ausgedienter Module zwischen 2022 und 2024 gesunken – entgegen den Erwartungen. Die Forscher vermuten zwei Gründe: Die Module laufen länger als angenommen, und gebrauchte Module werden ins Ausland verkauft. Die Studie empfiehlt deshalb, den Ausbau der Recyclingkapazitäten eng an die tatsächlichen Rücklaufmengen zu koppeln. Nach ihrer Modellrechnung könnte bis 2040 eine jährliche Kapazität von rund 300.000 Tonnen ausreichen; Spitzen ließen sich über Zwischenlager abfangen.

Wichtig zur Einordnung

  • Prognosen sind Modellrechnungen: Die Abfallmengen beruhen auf Annahmen der Studie, unter anderem 20 Jahre Lebensdauer, 250 Watt Leistung und 20 Kilogramm Gewicht je Modul. Laufen Module länger, fällt der Abfall später an.
  • Materialwert ist kein Erlös: Die 4,8 Milliarden Euro beschreiben den rechnerischen Wert von Aluminium und Silber zu Preisen vom Dezember 2025. Was beim Recycling tatsächlich erlöst wird, hängt von Rückgewinnungsgrad, Reinheit und Kosten ab.
  • Quoten gelten für kristalline Module: Die 85 % und 95 % beziehen sich auf die Verfahren der beiden deutschen Großanlagen. Dünnschichtmodule werden statistisch nicht gesondert erfasst.
  • Silizium bleibt offen: Die Rückgewinnung des Zellmaterials ist bisher nicht wirtschaftlich. Hier liegt der nächste Schritt für eine echte Kreislaufwirtschaft.

Was das für Ihre PV-Anlage bedeutet

Für Ihre Kaufentscheidung: Eine PV-Anlage wird am Ende ihrer Lebensdauer nicht zum Entsorgungsproblem, wenn die Module fachgerecht gesammelt werden. Der weitaus größte Teil eines Moduls kommt als Rohstoff zurück, und die gesetzlichen Mindestquoten werden heute übertroffen. Noch wichtiger für die Umweltbilanz ist allerdings die Lebensdauer: Ein Modul, das lange zuverlässig Strom erzeugt, schont mehr Ressourcen als jedes Recycling. Wie lange Module typischerweise halten, lesen Sie in unserem Beitrag Wie funktioniert Photovoltaik?.

Für einzelne defekte Module: PV-Module gelten als Elektroaltgeräte und gehören nicht in den Hausmüll. Private Betreiber geben haushaltsübliche Mengen in der Regel kostenfrei an kommunalen Sammelstellen wie dem Wertstoffhof ab; wie viele Module als haushaltsüblich gelten, legt die jeweilige Sammelstelle fest. Alles Wichtige dazu haben wir im Ratgeber PV-Module entsorgen zusammengefasst.

Für ältere Anlagen und Ü20-Anlagen: Endet nach 20 Jahren die EEG-Vergütung, stellt sich die Frage: weiterbetreiben, auf Eigenverbrauch umstellen oder neue Module aufs Dach? Beim Repowering werden alte Module durch neue, deutlich leistungsstärkere ersetzt. Wenn wir Module tauschen oder eine Anlage zurückbauen, nehmen wir die Altmodule zurück und führen sie dem Recycling zu. Ob sich ein Tausch lohnt oder der Weiterbetrieb die bessere Wahl ist, rechnen wir im Projektbericht durch. Hintergründe lesen Sie in den Ratgebern Repowering und Einspeisevergütung nach 20 Jahren.

Und für Unternehmen?

Module aus gewerblich genutzten Anlagen nehmen Wertstoffhöfe in der Regel nicht an. Hier laufen Rücknahme und Recycling über die Rücknahmesysteme der Hersteller oder über zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe. Für Betriebe, die über ihre Nachhaltigkeit berichten, ist ein sauber dokumentierter Rückbau zunehmend Teil des Gesamtbilds. Wenn wir eine Gewerbeanlage erweitern oder erneuern, planen wir die Rückführung der Altmodule deshalb von Anfang an mit und halten sie im Projektbericht fest.

Unser Fazit

Das Recyclingpotenzial von Photovoltaikmodulen ist hoch – und es wird bereits genutzt. Glas, Aluminium, Kupfer und Silber kommen heute zum größten Teil zurück in den Kreislauf. Offen ist beim PV-Recycling vor allem die Rückgewinnung von Silizium. Für Betreiber heißt das: Photovoltaik ist auch am Ende ihrer Lebensdauer eine nachhaltige Entscheidung.

Nutzen Sie Ihre Module so lange, wie sie zuverlässig Strom liefern, und lassen Sie einen Austausch wirtschaftlich durchrechnen, statt pauschal zu tauschen. Ausgediente Module gehören in die getrennte Sammlung – dann wird aus Ihrer alten Anlage ein Rohstofflager für die nächste Generation.

HUMMEL energize plant, installiert und betreut Photovoltaik, Speicher, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement aus einer Hand – vom ersten Modul bis zum fachgerechten Rückbau. Dabei gehen wir in zwei Schritten vor: Zuerst halten wir die Grundlagen in Ihrem Projektbericht fest, danach prüfen wir beim Vor-Ort-Termin die Details. Erst dann erhalten Sie ein verbindliches Angebot. ENERGIE NEU DENKEN.

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Stand: 21. Oktober 2026. Quellen: Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, DERA Rohstoffinformationen 68: Recycling von Photovoltaikmodulen in Deutschland (erstellt vom Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP); pv magazine, Studie beziffert Rohstoffpotenzial aus Photovoltaik-Recycling in Deutschland (01.10.2026); Sustainable Media 365, Studie: Recyclingpotenzial von Photovoltaikmodulen in Deutschland (19.10.2026); § 22 ElektroG (Verwertungsquoten) und Richtlinie 2012/19/EU (WEEE), Anhang V. Mengen, Werte und Prognosen sind Berechnungen und Modellannahmen der Studie. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und stellt keine Rechtsberatung dar.

Alexander Hummel

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