Lastspitzenkappung bedeutet, die höchsten Leistungsspitzen eines Betriebs gezielt zu begrenzen – indem Verbraucher gesteuert werden oder ein Batteriespeicher in diesen Momenten Strom zuschießt. Weil sich bei Unternehmen mit Leistungsmessung ein Teil der Netzentgelte nach der höchsten Viertelstundenleistung des Jahres richtet, senkt jede dauerhaft gekappte Spitze den Leistungspreis für das ganze Abrechnungsjahr.
Als regionaler Fachbetrieb aus Frickenhausen planen und bauen wir Gewerbespeicher, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur für Betriebe im Landkreis Esslingen und in der Region Stuttgart. Die Frage nach den Lastspitzen steht dabei fast immer am Anfang – denn sie entscheidet, wie groß ein Speicher sein muss und was er wirtschaftlich leisten kann. In diesem Ratgeber erklären wir, wie der Leistungspreis entsteht, wie Sie Ihren Lastgang lesen und welche Methoden die Spitzen glätten.
Kurz gefasst
- Betriebe mit registrierender Leistungsmessung zahlen neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis auf ihre höchste Viertelstundenleistung im Jahr.
- Eine einzige Spitze legt diesen Leistungspreis für das ganze Abrechnungsjahr fest.
- Lastmanagement verschiebt oder drosselt Verbraucher, ein Batteriespeicher liefert in der Spitze Strom aus der Batterie – kombiniert wirken beide am stärksten.
- Grundlage jeder Planung ist der Lastgang: die viertelstündlichen Messwerte Ihres Standorts über mindestens ein Jahr.
Was ist Lastspitzenkappung? Leistungspreis und Jahreshöchstleistung erklärt
Bei Haushalten und kleinen Betrieben rechnet der Netzbetreiber nach Standardlastprofilen ab: Gezählt wird nur die verbrauchte Energie in Kilowattstunden. Ab einer jährlichen Entnahme von mehr als 100.000 Kilowattstunden gilt das nicht mehr (§ 12 Stromnetzzugangsverordnung). Dann wird der Verbrauch mit einer registrierenden Leistungsmessung (RLM) erfasst – ein Zähler, der für jede Viertelstunde die bezogene Leistung speichert.
Auf dieser Grundlage setzt sich das Netzentgelt aus zwei Teilen zusammen: dem Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde und dem Leistungspreis in Euro je Kilowatt und Jahr. Der Leistungspreis wird mit der Jahreshöchstleistung multipliziert, also mit dem höchsten Viertelstundenwert im Abrechnungsjahr. Wie hoch die Preise sind, legt jeder Netzbetreiber in seinem Preisblatt fest.
Ein Beispiel aus der Region: Die Netze BW verlangt 2026 im Mittelspannungsnetz bei einer Benutzungsdauer ab 2.500 Stunden einen Leistungspreis von 148,05 Euro je Kilowatt und Jahr und einen Arbeitspreis von 1,06 Cent je Kilowattstunde, jeweils netto. Die Benutzungsdauer ist die Jahresarbeit geteilt durch die Jahreshöchstleistung; liegt sie unter 2.500 Stunden, gilt ein niedrigerer Leistungspreis von 16,61 Euro je Kilowatt mit höherem Arbeitspreis von 6,32 Cent. Im Fachjargon heißt das gezielte Kappen der Spitzen auch Peak Shaving.
148,05 €/kW
Leistungspreis pro Jahr, Mittelspannung ab 2.500 h, Netze BW 2026, netto (laut Preisblatt)
15 Minuten
Messintervall der registrierenden Leistungsmessung
100.000 kWh
Jahresentnahme, ab der Standardlastprofile nicht mehr gelten (§ 12 StromNZV)
Den eigenen Lastgang lesen: Wo Lastspitzen entstehen
Der Lastgang ist die Zeitreihe aller Viertelstundenwerte Ihres Standorts – bei 96 Viertelstunden am Tag sind das 35.040 Werte im Jahr. Er zeigt, wann Sie wie viel Leistung aus dem Netz beziehen, und macht die Spitzen sichtbar. Typische Ursachen in Gewerbebetrieben sind:
- Schichtbeginn: Maschinen, Kompressoren und Lüftung laufen gleichzeitig an.
- Kälte und Klima: Kühlanlagen arbeiten an heißen Tagen am Anschlag.
- Prozesswärme: Öfen, Trockner oder Heizstäbe ziehen kurzzeitig hohe Leistung.
- E-Mobilität: Mehrere Fahrzeuge laden ungesteuert zur selben Zeit.
- Wenig Sonne: An Wintertagen fehlt der Solarstrom, der im Sommer die Mittagsspitze abfedert.
Für die Planung zählt nicht nur die Höhe einer Spitze, sondern auch, wie oft und wie lange sie auftritt. Dafür sortieren wir alle Viertelstundenwerte des Jahres der Größe nach. Diese Jahresdauerlinie zeigt auf einen Blick, wie viele Viertelstunden über einer bestimmten Leistung liegen. Sind es nur wenige kurze Spitzen, lassen sie sich mit vergleichsweise wenig Speicherkapazität kappen; ziehen sich hohe Lasten über Stunden, braucht es mehr Kapazität oder eine andere Lösung. Wie Sie Messdaten dauerhaft erfassen und auswerten, beschreibt unsere Seite Energiemanagement für Gewerbe.
Methoden: Lastmanagement, Batteriespeicher und Kombination
Lastmanagement
Beim Lastmanagement werden Verbraucher so gesteuert, dass sie nicht gleichzeitig ihre volle Leistung ziehen: Ladepunkte werden gedrosselt, Kühlanlagen kurz verschoben, Maschinen zeitversetzt gestartet. Das kostet wenig, stößt aber an Grenzen, wo Prozesse nicht warten können. Für Ladeinfrastruktur erklärt unser Ratgeber Lastmanagement für Wallbox und Ladesäulen, wie das funktioniert.
Batteriespeicher
Ein Batteriespeicher misst den Bezug am Netzanschlusspunkt laufend. Steigt er über einen festgelegten Schwellwert, entlädt sich der Speicher und deckt den Teil der Last darüber. Der Betrieb merkt davon nichts, das Netz sieht nur die gekappte Spitze. In den ruhigen Stunden lädt der Speicher wieder nach – idealerweise mit Solarstrom vom eigenen Dach. Damit erfüllt ein Gewerbespeicher mehrere Aufgaben zugleich: Spitzen kappen, Eigenverbrauch erhöhen und den Netzanschluss entlasten.
Kombination
Am wirtschaftlichsten ist meist beides zusammen. Lastmanagement nimmt die verschiebbaren Verbraucher aus der Spitze, der Speicher übernimmt den Rest. So bleibt der Speicher kleiner, und die Steuerung hat eine Reserve, falls an einem Tag doch alles gleichzeitig läuft.
Wirtschaftlichkeit: Was eine gekappte Spitze wert ist
Die Rechnung ist einfach: Jedes Kilowatt, um das die Jahreshöchstleistung sinkt, spart den Leistungspreis. Bei den genannten Preisen der Netze BW für die Mittelspannung sind das 148,05 Euro netto pro Kilowatt und Jahr. Eine dauerhaft um 100 Kilowatt gekappte Spitze entspricht damit rechnerisch 14.805 Euro Netzentgelt im Jahr (Rechenbeispiel, ohne Steuern und Umlagen).
In der Praxis hängt der Wert von mehreren Faktoren ab:
- Netzbetreiber und Spannungsebene: Je nach Preisblatt und Anschluss – Niederspannung, Umspannung oder Mittelspannung – liegt der Leistungspreis höher oder niedriger.
- Benutzungsdauer: Sinkt die Jahreshöchstleistung, steigt die Benutzungsdauer. Wer knapp unter 2.500 Stunden liegt, kann dadurch in das andere Preissystem wechseln – das muss in die Rechnung.
- Zuverlässigkeit: Schon eine einzige ungekappte Viertelstunde legt den Leistungspreis für das ganze Jahr fest. Steuerung und Reserve müssen deshalb auf den ungünstigsten Tag ausgelegt sein.
- Zusatznutzen: Mit Photovoltaik erhöht der Speicher zusätzlich den Eigenverbrauch; beide Effekte zusammen bestimmen die Wirtschaftlichkeit.
Zudem steht die Netzentgeltsystematik vor einer Reform: Die Bundesnetzagentur hat im August 2026 den Entwurf einer neuen Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) zur Konsultation gestellt, die ab 2029 gelten soll. Wie Leistungspreise künftig aussehen, ist noch offen – ein Speicher sollte deshalb so geplant sein, dass er flexibel auf neue Preissignale reagieren kann.
Was Ihr Gewerbespeicher kostet, halten wir im Projektbericht fest – nach dem Vor-Ort-Termin erhalten Sie Ihr verbindliches Angebot.
Praxisbeispiel: Gewerbespeicher im Lebensmittel-Großhandel in Nürtingen
Wie Spitzenkappung, Photovoltaik und Eigenverbrauch zusammenwirken, zeigt unser Projekt bei der Marziale Coolinaria GmbH in Nürtingen. Der Lebensmittel-Großhandel betreibt ein Kühllager, das rund um die Uhr Strom braucht. Wir haben dort einen Gewerbespeicher mit 522 kWh Kapazität und 250 kW Leistung installiert, auf Basis von Lithium-Eisenphosphat (LFP), einer langlebigen und thermisch stabilen Zellchemie. Er arbeitet mit der Photovoltaikanlage und den Ladepunkten mit Lastmanagement zusammen.
- Der Netzbezug sank von März bis Juli 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 um 89 Prozent (gemessen).
- Die Einsparung liegt bei rund 30.000 Euro im Jahr (Hochrechnung aus Messwerten).
- Die CO2-Minderung beträgt rund 46 Tonnen im Jahr (Hochrechnung).
Alle Details lesen Sie in der Referenz zum 522-kWh-Gewerbespeicher in Nürtingen.
So gehen wir vor: Projektbericht, Vor-Ort-Termin, verbindliches Angebot
Lastspitzenkappung lässt sich nicht nach Faustformel planen – die Antwort steckt in Ihrem Lastgang. Deshalb beginnen wir mit Ihren Daten:
- Projektbericht: Wir werten Ihren Lastgang und Ihr Preisblatt aus, zeigen, wo und wie oft Spitzen entstehen, und rechnen Varianten mit Lastmanagement, Speicher und Photovoltaik durch – inklusive Speicherleistung, Kapazität und Wirtschaftlichkeit.
- Vor-Ort-Termin: Wir prüfen Netzanschluss, Hauptverteilung, Aufstellort des Speichers und die steuerbaren Verbraucher.
- Verbindliches Angebot: Erst danach erhalten Sie Ihr verbindliches Angebot – Planung, Installation und Betrieb aus einer Hand.
Wichtig zur Einordnung
Die Netzentgelte stammen aus dem Preisblatt der Netze BW für 2026 und sind Nettowerte; Ihr Netzbetreiber kann andere Preise haben. Das Rechenbeispiel zeigt nur den Leistungsanteil des Netzentgelts und ist keine Zusage. Die Referenzwerte Marziale Coolinaria sind gemessene Betriebsdaten März–Juli 2026 gegenüber 2024 bzw. Hochrechnungen daraus. Stand aller Angaben: 2. Oktober 2026.
Häufige Fragen zur Lastspitzenkappung
Was bedeutet Lastspitzenkappung?
Lastspitzenkappung heißt, die höchsten Leistungsspitzen eines Betriebs gezielt zu begrenzen – durch Steuerung von Verbrauchern oder einen Batteriespeicher. Ziel ist eine niedrigere Jahreshöchstleistung und damit ein niedrigerer Leistungspreis beim Netzentgelt.
Wie berechnet sich der Leistungspreis beim Strom?
Leistungspreis in Euro je Kilowatt und Jahr mal Jahreshöchstleistung, also der höchste Viertelstundenwert im Abrechnungsjahr. Bei 148,05 Euro je Kilowatt (Netze BW 2026, Mittelspannung ab 2.500 Stunden, netto) und 400 kW Spitze ergeben sich rechnerisch 59.220 Euro im Jahr – dazu kommt der Arbeitspreis für die verbrauchten Kilowattstunden.
Wie groß muss ein Speicher für die Lastspitzenkappung sein?
Das hängt von Höhe und Dauer Ihrer Spitzen ab. Die Leistung des Speichers richtet sich danach, um wie viele Kilowatt die Spitze sinken soll; die Kapazität danach, wie lange die Spitze anhält. Rechenbeispiel: 100 kW über 30 Minuten erfordern rund 50 kWh nutzbare Kapazität, plus Reserve für ungünstige Tage. Die genaue Auslegung rechnen wir mit Ihrem Lastgang im Projektbericht.
Woher bekomme ich meinen Lastgang?
Als Kunde mit registrierender Leistungsmessung erhalten Sie Ihren Lastgang beim Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber, häufig auch über Ihren Stromlieferanten oder ein Kundenportal. Für eine belastbare Auswertung brauchen wir mindestens zwölf Monate Viertelstundenwerte, idealerweise als Tabellendatei.
Unser Fazit
Lastspitzen kosten Gewerbebetriebe mit Leistungsmessung das ganze Jahr über Geld – oft wegen weniger Viertelstunden. Wer seinen Lastgang kennt, kann gezielt gegensteuern: mit Lastmanagement, mit einem Batteriespeicher oder mit beidem. Wir halten die Grundlagen in Ihrem Projektbericht fest, prüfen beim Vor-Ort-Termin die Details und erstellen danach Ihr verbindliches Angebot. ENERGIE NEU DENKEN.
Das könnte Sie auch interessieren
Gewerbespeicher für Gewerbe und Industrie · Referenz: 522-kWh-Gewerbespeicher in Nürtingen · Lastmanagement für Wallbox und Ladesäulen
Stand: 2. Oktober 2026. Quellen: Netze BW, Preise für die Nutzung des Stromverteilnetzes 2026, § 12 Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), § 17 Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV), Bundesnetzagentur, Konsultation zur Reform der Netzentgeltsystematik Strom (August 2026), Vattenfall, Was sind RLM- und SLP-Zähler?. Referenzwerte Marziale Coolinaria: gemessene Betriebsdaten März–Juli 2026 gegenüber 2024, Einsparung und CO2 als Hochrechnung. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und keine Rechts- oder Energieberatung im Einzelfall.
Autor: Alexander Hummel

